Wohnen in direkter Beziehung zum Saaler Bodden

Die Lage ist herausragend, aber gleichzeitig sehr sensibel. Die «seichte Lagune» des Saaler Bodden bei Ribnitz-Dammgarten bedingte eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen wie: Wie wollen wir wohnen? Wie viel Freifläche soll versiegelt werden?

Wir haben den neuen Wohnstandort insbesondere auf Identitätspotential und qualitätsvolle Freiräume bei rücksichtvollem Umgang mit der Natur für einen nachhaltigen Wohnungsbau betrachtet – und damit beim Realisierungswettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren überzeugt.

Das Neubauquartier Damgartener Chaussee entsteht auf dem ehemaligen Freigelände und dem sogenannten Sportpalast Grundstück. Mit der Konzeption des neuen Quartiers besteht die Chance, überschaubare Nachbarschaften zu entwickeln, in denen sich die Bewohnenden wohlfühlen und private Rückzugsräume erhalten, aber auch Gemeinschaft leben können. Der Entwurf setzt sich aus vier Wohnhöfen einschließlich des Sportpalastgrundstücks zusammen, die sich in einer lockeren städtebaulichen Anordnung gruppieren.

Jeder Wohnhof ist geprägt durch privates bzw. halböffentliches Grün, das Aneignung durch Gemeinschaftsgärten und lebendige Treffpunkte ermöglicht. Vielfältige Wohnformen, Typologien und flexible Ansprüche können mühelos integriert werden. Die Höfe bieten eine leicht überschaubare Orientierung.

Entsiegeln und der Natur zurückgeben

Kernfrage vieler Neubauquartiere ist: Wie stark darf Natur versiegelt werden? In dieser Lage, direkt am Bodden gelegen, erhält diese Frage eine besondere Bedeutung, auch im Hinblick auf Respekt und Erlebbarkeit des außergewöhnlichen Landschaftsraums. Unsere städtebauliche Antwort ist eine Anordnung aller Gebäude entlang der Damgartener Chaussee, als vermeintlich frei angeordnete Volumen, die in ihrer Urform an alte Fischer- oder Bootshäuser erinnern.

So frei die Anordnung anmutet, unterliegt sie dem Credo, den Baumbestand weitestgehend zu erhalten, Blick- und Wegebeziehungen Richtung Bodden zu ermöglichen und zu stärken, sowie den Landschaftsraum so frei wie möglich von Bebauung zu halten. Daher haben wir das neue Wohnquartier mit einer Tiefe von rund 60 Metern parallel zur Damgartener Chaussee angesiedelt. Durch diese konsequente, straßenbegleitende Bebauung kann nahezu die Hälfte der Grundstücksfläche der Natur «zurückgegeben werden».

Mit der Renaturalisierung der gewonnenen Flächen wird die Lagegunst des Grundstücks weiter gestärkt. Der Bodden wächst scheinbar direkt bis an das neue Wohnquartier heran. Durch eine Vielzahl von «Einschürfungen» entstehen in einer offenen Wiesenlandschaft temporär unterschiedlich tiefe Flachwasserbereiche, in die sich das Regenwasser zurückziehen kann. Die vielfältigen Vernässungsbereiche bieten Lebensraum für eine artenreiche Flora und Fauna. Aus «Wohnen im Park am Bodden» wird «Wohnen am Bodden».

Wohnen am Bodden – nicht in einem Park, sondern in und mit der Natur. Das war uns wichtig. Das beinhaltet auch nachhaltiges Bauen und ein gelebtes Miteinander

In der ersten Reihe zum Bodden

Die Baukörper strecken sich fingerartig in die Landschaft. Dank dieser zeilenartigen Anordnung stehen alle Häuser in der «ersten Reihe» am Bodden und lassen vielfältige Blickbeziehungen in den Landschaftsraum zu. Die Wohnhöfe zwischen den Häusern sorgen dafür, dass der Bodden in allen Wohnungen erlebbar wird und schaffen für die Bewohnenden einen direkten Anknüpfungspunkt zur Umgebung.

Der Bod­denwanderweg wird über drei querende Wegebeziehungen erschlossen. Im Übergang zum Landschaftsraum entsteht ein neuer Parkweg, der die einzelnen Wohnhöfe miteinander verbindet und an der östlichen Grundstückgrenze in einem kleinen Vorplatz mündet.

Aus dem städtebaulichen Konzept ergeben sich fast beiläufig großzügige naturnahe Flächen, die allen Bewohnenden der näheren Umgebung zugutekommen. Durch die eher kompakten Gartenhöfe werden mehr zusammenhängende Grünflächen angeboten. Öffentlich zugängliche Freiraumfunktionen wie der 250 m2 große Bolzplatz, ein Kinderspielplatz mit ähnlicher Größe, diverse Sitzplätze sowie ein Naturbeobachtungsturm werden an den barrierefrei ausgestalteten Parkwegen angeordnet.

Im Bereich der Gartenhöfe befinden sich die vorwiegend gemeinschaftlich genutzten Freiräume mit Spiel- und Sitzangeboten sowie den Hauseingängen zugeordnete Fahrradstellplätze. Aufgrund der besonderen landschaftsräumlichen Situation wird bewusst auf die Ausbildung von Mietergärten verzichtet. Privater Freiraum wird in Form von Terrassen angeboten.

Alle Gebäude basieren auf einer leicht geknickten, einfachen Grundform eines Satteldachhauses mit einem steilen Dach. So entstehen einfach zu konstruierende Häuser, die eine starke Identität entwickeln. Die gewählte Dachform führt zu einer Vielzahl an Wohnungstypen mit unterschiedlichen Wohnungsgrößen, die verschiedenste Nutzergruppen ansprechen werden. Alle Wohnungen erhalten Loggien und Balkone als Freisitze, zum Großteil mit Blick Richtung Bodden.

Für die Gebäude wird eine massive Tragwerkskonstruktion aus Stahlbeton (so wenig wie möglich) sowie Mauerwerk gewählt. Die Dachflächen werden als weitgehend fertig vorfabrizierte Konstruktion aus Holz mit aufgesetzten Gauben sowie Fenstereinschnitten und Stahlblecheindeckung montiert. Alle Gebäude sollen eine Holzfassade aus heimischen Hölzern erhalten, die je nach Gebäude in Farbe und Oberfläche variiert. Auf diese Weise wird trotz konventioneller Bauweise ein hoher Grad an Nachhaltigkeit erreicht.

Bäume, die dem Klimawandel gewachsen sind

Die Flachdachbereiche werden ausnahmslos mit extensiven Gründächern und PV-Anlagen ausgestattet. Hoher Dämmstandard in Verbindung mit Flächenheizung lassen die Verwendung von Wärmepumpen zu, sodass ein nachhaltiges Vorzeigeprojekt geplant werden kann. Das Projekt könnte gar zu einem treibhausgasneutralen Quartier führen.

Entlang der Damgartener Chaussee soll ein dichter Baumhain gepflanzt werden. Dafür sollen verschiedene besonders klima-resiliente Baumarten wie der Amberbaum, der südliche Zürgelbaum, die Säulenulme und die Scharlacheiche in Kombination mit heimischen Bäumen wie Buche und Eiche verwendet werden. In Richtung der Wiesenlandschaft löst sich der Baumhain auf. Hier werden dem Standort angepasst Einzelbäume und kleine Baumgruppen aus Eichen, Weiden und Erlen (Alnus cordata) gepflanzt.

Unser Projekt «Wohnen am Bodden» erfüllt die komplexen Anforderungen an Städtebau, Freiraum und Architektur. Wir schaffen attraktiven Wohnraum für verschiedene Menschen in naturnaher Umgebung – und zwar dank eines Gesamtkonzepts, das die spezifischen Gegebenheiten nicht nur berücksichtigt, sondern sich der sensiblen Umgebung unterordnet.

Zahlen und Fakten

  • Gebäudetyp

    Wohnhaus

  • Planung

    LP 1-9, (seit 2021 in Planung)

  • Realisierung

    2027

  • Fläche

    10.535 qm BGF R

  • Bauherr*innen

    GBW – Wohnungsunternehmen Gebäudewirtschaft Ribnitz-Damgarten GmbH

  • Standort

    Damgartener Chaussee, Ribnitz-Damgarten

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