Unkonventionell bauen – für und mit Baugemeinschaften

Sprung über die Elbe. Das war das Motto der Internationalen Bauausstellung Hamburg von 2006 bis 2013. Die IBA Hamburg thematisierte das Zusammenwachsen des nördlichen und südlichen Teils von Hamburg über die Elbinseln hinweg. In diesem Kontext wurde der IBA Architektenpool ins Leben gerufen. In einem zweistufigen Verfahren wurden 28 Architekturbüros ausgewählt – auch wir. Baugemeinschaften können sich aus diesem Pool für einen Partner zur Gestaltung ihres Projekts in diesem Gebiet entscheiden.

Im Rahmen des IBA Architektenpools durften wir auf dem Baufeld 13 im Rathausviertel in Wilhelmsburg ein Konzept für eine mögliche Baugemeinschaft entwerfen. Der Stadtteil überzeugt durch seine Lage am Wasser mit viel Grünflächen für Freizeitaktivitäten, einer gewachsenen Infrastruktur und einer guten Anbindung an die Innenstadt. Im Rathausviertel soll ein städtebaulicher Mix von Geschosswohnungsbau und Stadthäusern, Reihenhäusern und Solitären mit rund 1‘700 Wohnungen entstehen, eingebettet in einen 12 Hektar großen Freiraum mit Wasserläufen und Grünzügen.

Das Bauen für Baugemeinschaften eröffnet neue Spielräume für eine andere, nachhaltige Art der Stadtentwicklung. Darauf haben wir grosse Lust


Baugemeinschaften schaffen sozial stabile Nachbarschaften, in denen sich unterschiedliche Haushaltsformen, Generationen und Nationalitäten mischen und miteinander harmonieren. Zusätzlich spielen Quartiersbezogenheit und Umweltorientierung meist eine große Rolle.

Mit den neuen Eigentümern kommen nicht nur mehr Vielfalt, Lebensqualität und bürgerschaftliches Engagement zurück in die Stadt, sondern auch der Wunsch nach mehr Beteiligung und Mitsprache im Wohnumfeld, wodurch die unmittelbare Nachbarschaft, das Quartier, der Stadtteil, die Stadt profitieren.

Wir bringen Motivation und Lust mit, uns mit unserer Baugemeinschaft auf eine kreative Planungs- und Bauzeit einzulassen und möchten weg vom konventionellen Kommen-und-kaufen-Prinzip, hin zum individuell zugeschnittenen Ergebnis der eigenen Wohnvorstellungen. Wir möchten die Stadt «mitentwickeln» – in sozialer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht.

Ein Modul für alle Wohnformen

Wichtigste Aspekte unseres Entwurfs waren maximale Flexibilität, modulare Anpassungsfähigkeit, Nachhaltigkeit sowie Wirtschaftlichkeit und Kommunikation. Beispielsweise ist die Basis des modularen Puzzles ein 16 m2 Modul, mit dem sich alle Wohnformen darstellen lassen. Neben den Zugängen an die öffentliche Straße und den Quartiersplatz sind die Zuwegungen in den Innenbereich gut angebunden. Gleichzeitig öffnet sich die Bebauung zum Quartier.

Im Südwesten mit Ausrichtung zum Quartiersplatz sind Gewerbeflächen angeordnet. Hier befinden sich ein Nachbarschafts-Café, ein nutzungsneutraler Gemeinschaftsraum und eine Fahrradgarage mit integrierter Werkstatt.

Wir streben ein innovatives Mobilitätskonzept an. Daher wurden statt einer großen Tiefgarage 11 Stellplätze für Pool-Fahrzeuge für die Hausgemeinschaft geplant, wodurch im Innenhof eine natürliche Versickerung des Regenwassers möglich ist. Die ebenerdige Fahrradgarage beherbergt neben klassischen Radstellplätzen, auch Lastenräder und E-Bikes mit entsprechender Ladestation.

Neben dem großen Gemeinschaftshof erhalten die Wohnungen im Erdgeschoss vorgelagerte Privatgärten mit Terrassen. Durchlaufende Balkone in den Regelgeschossen bieten großzügige Freibereiche. Die Wohnungen werden durch einen Laubengang erschlossen, der als Kommunikationszone und Ort der zufälligen Begegnung die Gemeinschaft fördert.

Das Grundgerüst des Hauses besteht aus Recycling-Stahlbeton mit Wänden und Decken in Holztafelbauweise, die einen optimalen Schall- und Wärmeschutz bieten und durch die Schaltbarkeit eine hohe Flexibilität ermöglichen.

Das Minimum ermöglicht maximale Freiheit

Grundgedanke ist ein Minimum an «gesetzter Architektur» im Inneren. Es gibt eine offene Leitungsführung und eine natürliche Querlüftung über die Fenster. Dadurch ergeben sich durchgesteckte Wohnungen mit Sichtbezug zum Hof und zur Straße. Wärme, Wasser und Strom sind vorhanden, Fassaden und Bäder sind gebaut. Alles andere bleibt offen und zur Aneignung frei.

Die Holzwände und -decken ermöglichen einen einfachen Selbstaus- und -umbau.

Da die Wohnungstrennwände nicht tragend sind und die Gebäudehülle sogar ohne Deckentafeln funktioniert, können diese bei Bedarf umgesetzt werden, so dass die Wohnungen an die wechselnden Bedürfnisse der Bewohner anpasst werden können. Die einfache Bauweise ermöglicht es außerdem, sich dem Zuhause handwerklich zu nähern.

Eine große Dachterrasse – teilweise mit Photovoltaik bestückt – ergänzt den Hof um die Gemeinschaftsflächen. Hier gibt es Gewächshäuser zum Gemüseanbau, einen Grillplatz, Tischtennisplatten, Sonnenliegen und vieles mehr. Für die Dachterrasse und den Innenhof lassen wir uns gerne von den Wünschen und Vorstellungen unserer Baugemeinschaft inspirieren.

Mit diesem Projekt in Wilhelmsburg zeigen wir, wie gemeinschaftliches, flexibles und individuelles Wohnen und ressourcenschonendes Bauen auch aussehen könnte. Auf dieses andere Planen und Bauen zusammen mit «offenen» Baugemeinschaften haben wir große Lust.

Zahlen und Fakten

  • Gebäudetyp

    Wohnhaus

  • Planung

    LP 1-4, Teile von 5

  • Bauherr*innen

    «Unsere» Baugemeinschaft

  • Standort

    Spreehafenviertel / Elbinselquartier / Rathausviertel, Hamburg Wilhelmsburg

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LEO