Einen Ort der Begegnung respektvoll erweitert

Das Bürgerhaus in Barmbek ist Stadtteiltreff, Kulturstätte und ein Ort, der offen ist für die Ideen der Bevölkerung. Für die Erweiterung war für uns aber ebenso wichtig: Das Bürgerhaus in Barmbek ist ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Erbaut wurde es 1929/30 als Polizeiwache im Bereich des ausgedehnten Wohnquartiers der 1920er-Jahre um Hartzloh- und Habichtsplatz. Für den Entwurf zeichnete sich der damalige Oberbaudirektor Fritz Schumacher verantwortlich, dessen zahlreiche öffentliche Gebäude das Gesicht Hamburgs bis heute prägen. Der kleine, aber gestalterisch anspruchsvolle und gut erhaltene Bau ist eines der herausragenden Beispiele für den Einfluss des Neuen Bauens auf die Entwürfe Schumachers.

Altes und Neues ohne Hierarchie

Die Erweiterung basiert folgerichtig auf dem Entwurfsansatz Schumachers: den Neubau in unterschiedlich proportionierte Baukörper gliedern, die der darin vorgesehenen Funktion folgen. Wir haben das Foyer weit zurückliegend angeordnet und auf einfache Weise an das historische Gebäude angeschlossen. Ein als Terrasse nutzbarer Eingangshof bildet eine Zone zwischen Alt- und Neubau, sodass der neue Saal zwar freigestellt ist, sich gegenüber dem Bestand aber weiterhin zurückhält. Dabei wird die Hierarchie von Alt und Neu nie in Frage gestellt. Zusammen mit den Freiflächen entsteht ein ausgewogenes Ensemble von hoher räumlicher Qualität.

Die Terrassierung der Freiflächen bietet unabhängig voneinander nutzbare Bereiche, die in ihrer Größe auf die Nutzung als öffentliche (Eingangsterrasse) oder halböffentliche (Saalterrasse) Fläche reagieren. Trotz hoher Ausnutzung des Grundstücks wird durch eine fliessende, aber subtil differenzierte Raumfolgen eine Großzügigkeit erreicht. Die Anordnung des Baukörpers ist so gewählt, dass Eingriffe in den Baumbestand minimiert wurden, zu den erhaltenswerten Linden wurde gebührender Abstand gehalten.

Unserem Entwurf für die Erweiterung liegt folgender Gedanke zugrunde: Respekt vor dem bestehenden Bürgerhaus, Respekt vor dem Entwurf Schumachers.

Zum Respekt gegenüber dem denkmalgeschützten Gebäude gehört neben der städtebaulichen Anordnung auch eine Zurückhaltung bei Eingriffen in den Bestand. Wir haben lediglich die Küche in den Bereich des ehemaligen Waschraums verlegt, sodaß die ursprünglichen Raumproportionen wieder erlebbar werden. Die modernen Räume sind für Veranstaltungen, Bildungsangebote und Gruppentreffen wie geschaffen.

Eine zurückhaltende Fassadengestaltung mit Klinker als Hauptmaterial prägt den Neubau, dies in Anlehnung an den Bestand. Entwurfsmotive des Bestands wie Stahlbetonstützen und Gesimse wurden neu interpretiert und finden in der klaren und sachlichen Fassade ihren Ausdruck. Die geschosshoch verglaste Fassade nach Westen erzeugt eine eigenständige Gestaltung, die als Ergänzung der Schumacherschen Architektur verstanden wird. Auf diese Weise erhält das neue Bürgerhaus Barmbek mit der Erweiterung eine neue Identität, die gleichzeitig die charakteristischen Bestandteile des Stadtbildes bewahrt.

Durch die zurückhaltende und einfache Konstruktion des Neubaus gelang es uns, den festgesetzten Kostenrahmen einzuhalten und ein Projekt mit hoher Qualität bei geringen Kosten zu realisieren. Wir bewiesen Respekt vor dem Denkmal und gleichzeitig Mut, das Bestehende neu zu interpretieren und optimal nutzbar zu machen. Unser neues Ensemble mit hoher Material- und Detailqualität dient als Ort der Begegnung, der die Entwicklung des einzelnen Menschen und das gemeinsame Erleben ins Zentrum rückt.

  • Gebäudetyp

    Bürgerhaus

  • Planung

    LP 1-8 (2010-2014)

  • Realisierung

    2015

  • Fläche

    570 qm BGF Neubau

  • Bauherr*innen

    Bezirksamt Hamburg-Nord

  • Standort

    Lorichsstraße, Hamburg

  • Gewinner

    German Design Award 2018

  • 3. Preis

    BDA Hamburg Architektur Preis 2016

  • Publikation - Junius Verlag

    Architektur in Hamburg Jahrbuch 2015

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google. Mehr erfahren

Karte laden

Nächstes Projekt

  • Gefördertes Wohnen
  • 2019

Witten­kamp