Wohnen wie vor 120 Jahren – aber mit mehr Komfort

Eigentlich sollte das Mehrfamilienhaus aus dem Jahre 1901 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Eigentlich. Denn 2010 stellte die Stadt das Gebäude unter Denkmalschutz. Aus heutiger Sicht ein Glücksfall. Denn was das historische Gebäude im Innern offenbarte, erzeugt einen besonderen Charme für die Menschen, die es heute bewohnen.

Mansarddach, repräsentativer Giebel, Fenster mit Rundbögen und hohen Räumen mit Stuckdecken: Das dreigeschossige Wohnhaus an der Braunschweiger Strasse in Hamburg Ottensen weist typische Elemente für die Architektur der Jahrhundertwende auf. Diesen Zeitzeugen galt es mit viel Fingerspitzengefühl aufzufrischen und zu erhalten. Daher wurde das Gebäude in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzamt originalgetreu saniert, was mit viel Aufwand verbunden war.

Zunächst erstellten Experten ein baubiologisches Gutachten, um die Substanz auf Schädlinge zu prüfen. Das Mauerwerk war weitestgehend in Ordnung, jedoch hatten die meisten Holzteile des Gebäudes unter Pilzen und Hausschwamm schwer gelitten. Das gesamte Dach musste abgebrochen und nachgebaut werden.

Was das historische Gebäude im Innern offenbarte, erzeugt einen besonderen Charme für die Menschen, die es heute bewohnen.

Bei der Rekonstruktion halfen die Original Bauzeichnungen der Jahrhundertwende. So konnte sogar der Schweifgiebel wiederhergestellt werden, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Einige Vorlagen lieferte auch das Gebäude selbst: So waren zum Beispiel Teile des ursprünglichen Stucks erhalten. Rosetten und Profile wurden vorsichtig abgetragen, sodass der Stuckateur Abdrücke nehmen und danach neue Stuckelemente fertigen konnte.

Selbst hinter dem Briefkasten eine Überraschung

Eine weitere Überraschung hielt die Briefkastenanlage bereit: Bei der Demontage kamen die historischen Farbschichten zum Vorschein, die bei der Gestaltung des Treppenhauses als Muster dienten. Handlauf und Geländerstäbe konnten komplett erhalten bleiben. Sie wurden lediglich in der vorgefundenen Originalfarbe neu gestrichen. Auch ein historischer Jugendstil-Kachelofen wurde restauriert. Heute sorgt dieses Schmuckstück wie vor 100 Jahren für eine gemütliche Atmosphäre in der Wohnung.

Es wurde viel fürs Auge getan, aber auch für den Wohnkomfort. Unter anderem profitieren die Bewohnenden von einem verbesserten Raumklima. Rückseite und Giebel des Gebäudes wurden mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen, und auch die Fenster entsprechen nach der Sanierung den heutigen energetischen Standards.

Durch die originalgetreue Restaurierung des Altbaus ist ein Zeugnis historischer Baukunst erhalten geblieben. Es vereint ein Stück Zeitgeschichte mit den Anforderungen an modernes Wohnen. Wer in diesem Kleinod lebt und Gäste empfängt, wird sich an die Ohs und Ahs gewöhnen.

Zahlen und Fakten

  • Gebäudetyp

    Wohnhaus

  • Planung

    LPH 1-8 (2010-2015)

  • Realisierung

    2015

  • Fläche

    705 qm BGF R (370 qm Wfl.)

  • Bauherr*innen

    BGFG - Baugenossenschaft freier Gewerkschafter eG

  • Standort

    Braunschweiger Straße, Hamburg

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LEO