Im zweiten Leben ein wohliges Nest

«Urbanität durch Dichte» war das Leitmotiv in den 1960er-Jahren. Es entstanden riesige Mietshäuser mit kantigem Profil und Grosssiedlungen. Monoton und anonym, ohne Herz und Seele, wie es scheint. Wir haben einem solchen Zeitzeugen ein zweites Leben geschenkt und das Wohngebäude Kattensteert mit 64 Wohneinheiten energetisch modernisiert – und neu beseelt.   

Das 8-geschossige Wohngebäude wurde 1967/1968 erbaute und gehört zu den typischen Gebäuden der 1960er-Jahre im Osten Hamburgs. Die Wohnungen waren in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer gleich beliebt. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Die 64 Wohnungen sind äusserst begehrt.

Einst seelenloser Klotz, heute schlichte Schönheit mit Charme. Hier kann man sich einnisten und wohlfühlen.

Bauschäden und Verbesserungswünsche der Mieterschaft veranlasste die Hansa-Baugenossenschaft zu einer grundlegenden Sanierung im bewohnten Zustand. Unser Ziel: Die bestehende klare Struktur zu nutzen und mit wenigen, wirksamen Eingriffen den ursprünglichen Charakter des Wohnhauses neu zu interpretieren.

Vom heimeligen Vogelnest inspiriert

Die Gebäudekubatur ist klar gegliedert. Die Nordfassade wird durch Laubengänge horizontal strukturiert, die Südfassade durch Balkone regelmäßig rhythmisiert. Im Osten befindet sich ein eingeschossiger Gewerbeanbau. 

Prägendes Merkmal der neuen Fassaden sind die einheitlich verwendeten Balkon- und Laubenganggeländer. Ihr Flechtwerk aus goldbronzefarbenen Aluminiumblechen ist licht- und luftdurchlässig, verhindert aber Einblicke in die dahinter liegenden privaten Außenräume. Inspiriert zu diesen geflochtenen Geländern hat uns die Bauart von Vogelnestern.

Die Ertüchtigung der Hülle beinhaltete verschiedene Massnahmen. Auf die Bestandsfassaden wurde eine 18 cm starke Mineralfaserdämmung aufgebracht und mit roten Riemchen verkleidet, die sich farblich am Bestand und der Umgebung orientieren. Die Holzfenster mit der neuen hochwertigen Wärmeschutzverglasung sitzen in der Dämmebene. Das bestehende Flachdach wurde bis auf die Tragstruktur abgetragen und neu gedämmt. Der Effekt der energetischen Fassadensanierung ist enorm: Der Primärenergiebedarf des Gebäudes konnte von 127 kWh/m2 auf 27 kWh/m2 gesenkt werden. Das entspricht einer Energiekosteneinsparung von rund 80 Prozent.

Das energetische Konzept beinhaltete zudem den hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage und den Bau einer Solaranlage auf dem Dach. Ein weiterer wichtiger Baustein wurde bei der Sanierung im Innern umgesetzt. In die Zimmer wurden dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Mit diesen Massnahmen hat sich das Raumklima für die Bewohnenden spürbar verbessert.

Auch im Innern sichtbar aufgefrischt

Die Wohnungen wurden in ihrer baulichen Struktur belassen, aber sichtbar aufgefrischt. Die Mieterinnen und Mieter duschen heute in sanierten Badezimmern und kochen in zeitgemäßen Küchen. Die Sanierung erfolgte strangweise im «laufenden Betrieb. Die Mietergärten der Erdgeschosswohnungen im Süden wurden erweitert, so dass großzügige private Freiräume entstanden.

Durch die gezielten Eingriffe hat das Wohnhaus am Kattensteert an Ausdruckskraft und Wohnqualität gewonnen. Die energetische Erneuerung wurde als Chance genutzt, um dem Gebäude eine ebenso frische wie zeitgenössische Gestalt zu geben. Das zweite Leben dieses 60er-Jahre-Baus schafft Mehrwert für alle, die sich hier ein Nest einrichten.

Zahlen und Fakten

  • Gebäudetyp

    Wohnhaus

  • Planung

    LP 2-6 (2011-2013)

  • Realisierung

    2013

  • Fläche

    6.440 qm BGF R

  • Bauherr*innen

    HANSA Baugenossenschaft eG

  • Standort

    Kattensteert, 22119 Hamburg

Preise und Presse

  • 1. Preis

    BDA Preis – Zukunft im Bestand 2015

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